Waldorf im Vinxtbachtal


Zeitreise

Die Zeit besiegt alles


Ante Christum natum
2. Jt.
Dämmerung
Die ältesten Besiedlungsspuren reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück
regionalgeschichte.net
Obrincas
Der Vinxtbach hatte in vorrömischer Zeit ohne Zweifel einen anderen Namen. Vielleicht bezieht sich der Geograph Ptolemäus darauf, der ihn im 2. Jahrhundert n. Chr. mit Obrincas angibt. Was der Name bedeutet, wissen wir nicht
Dr. Arnulf Krause: Der Kreis Ahrweiler vor 2000 Jahren. Uraltes Grenzland von Kelten, Römern und Germanen
Grenzland
Das Kreisgebiet stellt sich vor 2000 Jahren als ein recht wildes Grenzgebiet dar, in dem Kelten, Germanen und Römer aufeinandertrafen. Es hatte Anteil an Cäsars furchtbarer Strafexpedition gegen die Eburonen, aber auch an der friedlichen Akkulturation von Treverern und Eburonen und von Kelten, Ubiern und Römern. Sie alle wurden schließlich Träger der provinzialrömischen Kultur des Rheinlandes, die auch im Kreis Ahrweiler großartige Zeugnisse hinterlassen hat
Dr. Arnulf Krause: Der Kreis Ahrweiler vor 2000 Jahren. Uraltes Grenzland von Kelten, Römern und Germanen
58-51
Rom
Nach der Eroberung Galliens durch Caesar (58–51 v. Chr.) war das linksrheinische Gebiet Teil des Römischen Reiches
Wikipedia
Anno Domini Nostri Iesu Christi
83/84
Grenzbach
Kaiser Domitian wandelte schließlich zwischen 82 n. Chr. und 87 n. Chr. (vermutlich um 83/84 n. Chr.) die Militärbezirke in die zivilrechtlichen Provinzen Germania Superior (Obergermanien) mit der Hauptstadt Mogontiacum (Mainz) und Germania Inferior (Niedergermanien) mit der Hauptstadt Colonia Agrippina (Köln) um. Der Vinxtbach bildete die Grenze zwischen den Provinzen (wie vermutlich zuvor schon zwischen den Militärbezirken). Der Bach wurde über eine Furt von der Römischen Rheintalstraße gequert, die auf beiden Seiten des Bachlaufs von jeweils einer Benefiziarierstation gesichert war
Wikipedia
650
Schriftstücke
Die älteste Urkunde, die Waldorf betrifft, datiert vom 1. Juni 960. Nach dieser Urkunde von 960 schenkte König Sigibert III. (633/34 - 656) den Ort der von ihm gegründeten Abtei St. Martin bei Metz. Sigibert III. starb am 1. Februar 656 im jugendlichen Alter von rund 25 Jahren und wurde in St. Martin begraben. Die Abtei besaß 960 noch die Schenkungsurkunde, die wohl bei der Gründung des Klosters um 650 ausgestellt wurde. Die schriftliche Überlieferung für Waldorf reicht also bis in diese Zeit, d.h. um 650 zurück. Waldorf ist damit fast 1350 Jahre alt
Wilfried Dünchel: Waldorf ist fast 1350 Jahre alt
960
4 Pfund Kölner Pfennige
Nach der von Prof. Ewig übersetzten Urkundenabschrift wandte sich der Abt von St. Martin, Berhardus, an die höchste Autorität, König Otto den Großen, fand sich aber schließlich bereit, im Einvernehmen mit dem Grafen Udo und dem Vogt Bernhard, der die weltlichen Interessen der Abtei vertrat, das Ortsrecht neu festzusetzen: „Die Abtei behält sich vor: einen Mansus (Wirtschaftshof unterschiedlicher Größe, etwa 30 ha) bei der Kirche; einen Forst, der Liethforst genannt wird und alle Weinberge. Die Einwohner zahlen für ihre Ländereien jährlich an St. Martin 4 Pfund Kölner Pfennige; sie bewirtschaften alle Weinberge und erhalten dafür 1/3 der Lese."
Wilfried Dünchel: Waldorf ist fast 1350 Jahre alt
1033
Tauschgeschäfte
Bei der Königszusammenkunft zu Deville bestätigt Kaiser Konrad den Tausch, den Herzog Gozello als Vogt von Sankt-Martin mit dem Grafen Friedrich als Vogt von Stavelot-Malmedy tätigte, kraft dessen erstere Abtei den weit entfernten Ort Waldorf (Walendorp) gegen Medernach (Madrenai) austauschte
Luxemburgensia online
1255
In vino veritas
Der dorfige Lebensraum (liefert) jährlich 2 Fuder Wein ... Die Höhe der Abgaben übertrifft alle anderen Weinlieferungen an den Hof zu Remagen ...
Manfred van Rey: Der deutsche Fernbesitz der Klöster und Stifte der alten Diözese Lüttich vornehmlich an Rhein, Mosel, Ahr und in Rheinhessen, Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Bd. 187 (1984), S. 30-89
1301
Selbstständigkeit
St. Remaklus wird selbständige Pfarrei im kölnischen Ahrgaudekanat
Seelsorgeeinheit Breisig

Weltliche Güter
Waldorf bleib bei der Abtei Stavelot (Stablo) bis 1780, war aber spätestens seit dem 14. Jahrhundert Lehen der Herren von Eich auf der Olbrück in ihrer Nachfolge als Vögte (weltliche Sachwalter) der Abtei
Wilfried Dünchel: Waldorf ist fast 1350 Jahre alt
1348
Schwarzer Tod
Die für Europa größte Katastrophe dürfte der Ausbruch (der Pest) 1348/1349 gewesen sein. Bei dieser Epidemie, die ganz Europa erfasste, wurde mehr als ein Viertel aller Menschen dahingerafft
1349 werden für die im Rheinland (Köln) ausgebrochene Pest die Juden verantwortlich gemacht. Die Kölner Judengemeinde wird vernichtet. Auch in Ahrweiler werden Juden dafür umgebracht
Alles fliesst !
1400
Rechtsquelle
Weistum von Waldorf
Die Brüder Grimm sammeln Weistümer
16. Jh.
Reichsherrschaft Olbrück
Vogteigerechtigkeit und Weingärten zu Waldorf
Landeshauptarchiv Koblenz: Reichsherrschaft Olbrück
1540
Feuer
Bereits um das Jahr 1540 wurde das halbe Dorf Waldorf mit der Kirche ein Raub der Flammen. In Waldorf lebten damals etwa 200 Personen in 42 Familien. Erwähnt wird dieser Brand indirekt in einem Weistum aus dem Jahre 1589, in dem der Abt der Benediktiner-Abtei Gladbach als Grund- und Gerichtsherr in Buchholz und Niederweiler das hergebrachte Recht rekonstruieren ließ. In diesem Zusammenhang konnte sich ein erster Zeuge, der blinde und ca. 100 Jahre alte Johann Moesell, daran erinnern, dass ein Mann namens Dorffen Waldorf angezündet habe und am Gericht bei Allmerssbach an der Straße bei Glees verbrannt worden sei. Diese Aussage wurde von einem zweiten Zeugen, dem 72-jährigen Hollenblasius von Ramersbach, bestätigt. Dorffen soll den Brand „wegen einer Seite Speck“ entzündet haben. Die Hinrichtung des Dorffen kann als Indiz gewertet werden, daß damals ein Brand größeren Ausmaßes in Waldorf gewütet hat.
Wilfried Dünchel: Waldorf versank 1824 in Schutt und Asche
1666
Schwarzer Tod II
Während des Dreißigjährigen Krieges blieb Waldorf von den Kampfhandlungen zum größten Teil verschont, verlor aber in einer Pestepidemie von 1666-1668 ein Drittel seiner Einwohner
regionalgeschichte.net
1780
Verkauft
Im März 1780 wird Waldorf an die Benediktiner-Abtei St. Heribert in Köln-Deutz verkauft
regionalgeschichte.net
1795
Friede von Basel
Von 1795 bis 1814 fällt Waldorf wie alle anderen linksrheinischen Gebiete unter französische Herrschaft
regionalgeschichte.net
1802
Zuteilung
St. Remaklus wird dem Kanton Andernach im Bistum Aachen zugeteilt
Seelsorgeeinheit Breisig
1809
In vino veritas II
Verläßliche statistische Angaben über den Umfang des Weinbaus am Rhein und im Brohltal liegen jedoch erst aus der napoleonischen Zeit vor. Damals gab es am Rhein und in seinen Seitentälern im Jahre 1809 u. a. folgende Areale, die mit Wein besetzt waren: in Remagen 39 Hektar, Sinzig 36, Westum mit Löhndorf 29, Niederbreisig 29, Oberbreisig 13, Rheineck 17, Waldorf 12, Gönnersdorf 9, Brohl 3, Burgbrohl 16, Niederlützingen 6 und Königsfeld 20 Hektar. Selbst in Wassenach, Wehr, Weiler und Niederzissen baute man in jenen Jahrzehnten Wein an. Insgesamt waren es in all diesen genannten Orten am Rhein 220 Hektar sowie 54 Hektar im Brohltal, soweit die Gemeinden heute zum Kreisgebiet gehören. Überwiegend herrschte dabei ein Streubesitz vor. Denn für 1820 werden in Breisiger Bürgermeisterei-Akten für Niederbreisig 86, Oberbreisig 79, Brohl 25, Waldorf 20 und Rheineck 9 klassifizierte und mit Lagebezeichnungen benannte Weinberge registriert
Carl Bertram Hommen: Im Breisiger Ländchen und im Brohltal bestand früher ein reger Weinbau
1815
Befreiungskriege
Im Zuge der Befreiungskriege kamen die Gebiete entlang des Rheins unter preußische Verwaltung und wurden grundlegend neu geordnet
Wikipedia
1824
Zuteilung II
St. Remaklus Waldorf wird dem Dekanat Ahrweiler im Bistum Trier zugeteilt
Seelsorgeeinheit Breisig

Feuer II
Am 23. Dezember 1824 wurde Waldorf ein zweites Mal von einem schrecklichen Dorfbrand heimgesucht. Gegen Mittag brach der Brand im Haus des Anton Dahm im Oberdorf aus. Ursache war eine Unachtsamkeit beim Befeuern des Ofens. Begünstigt durch einen starken Wind breitete sich das Feuer rasch in Richtung Dorf aus. Da die meisten Gebäude noch Strohdächer hatten, brannte es bald im ganzen Dorf. Nach einer Aufzeichnung des damaligen Pfarrers Johann Jakob Becker wurden in nur einer Stunde und 40 Minuten etwa 70 Häuser ein Raub der Flammen.
Die Gemeinde Waldorf war zur Bekämpfung eines solchen Dorfbrandes nicht gerüstet. Zur Brandbekämpfung standen lediglich 80 Brandeimer, drei Leitern und sieben Brandhaken zur Verfügung. Als Hilfe aus benachbarten Orten eintraf, war es schon fast zu spät. Alle Häuser der Dorfstraße bis zur Kirche mit dem alten Pfarrhaus, alle Gebäude der Großen Gasse (mit Ausnahme der damaligen Schule) und selbst Häuser jenseits des Baches wurden ein Opfer der Flammen. Gerettet werden konnten vor allem die mit Ziegeln oder Schiefer gedeckten Häuser. So waren einen Tag vor Heiligabend fast 500 Waldorfer obdachlos geworden. In einem für den Ahrweiler Landrat erstellten Schadensverzeichnis wurde der Wert der abgebrannten Gebäude mit 37.403 Reichstaler und die Höhe der Mobiliarschäden mit 18.790 Reichstaler beziffert. Der Schaden betrug pro betroffener Familie durchschnittlich rd. 800 Taler; eine ungeheure Summe für die damalige Zeit. Hinzu kam, dass niemand gegen Brandschäden versichert war.
Bei den Löscharbeiten kam der Sinziger Bürger Karl Josef Deutsch ums Leben. Er war einer der vielen Helfer aus den umliegenden Orten und wurde in der Broos, im Haus des Anton Radermacher, von einem herabstürzenden Holzbalken erschlagen. Karl Josef Deutsch hinterließ eine kranke Frau mit zwei kleinen Kindern. Dem Verunglückten wurde damals eine Inschrift gewidmet, die man beim Wiederaufbau dieses Hauses in einen Holzbalken einschnitzte. Heute erinnert dort ein Basaltkreuz an Karl Josef Deutsch
Wilfried Dünchel: Waldorf versank 1824 in Schutt und Asche
1869
Zuteilung III
St. Remaklus Waldorf wird dem Dekanat Remagen zugeteilt
Seelsorgeeinheit Breisig
1874
In vino veritas III
Ursache für diesen starken Rückgang des Weinbaues war in erster Linie der verheerende Reblaus-Befall, der 1874 bei Bonn einsetzte und vor allem die Kleinwinzer zur Aufgabe ihres Berufes zwang, da sie außerdem nicht über ausreichendes Kapital für eine Neuanlage verfügten
Carl Bertram Hommen: Im Breisiger Ländchen und im Brohltal bestand früher ein reger Weinbau
1882
Weihe
Am 22. April 1882 wurde die Katholische Pfarrkirche „St. Remaklus“ Waldorf von Diözesanbischof Michael Felix Korum konsekriert
Blick aktuell
1932
Feuerwehr
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Waldorf ist jedoch als Verein erst ab 1932 nachvollziehbar, dem Jahr der offiziellen Gründung. Aufgrund der Gesetzgebung musste damals in jeder Gemeinde eine Feuerwehr bestehen. Zum ersten Wehrführer der neuen Feuerwehr wurde Josef Frömbgen gewählt
Freiwillige Feuerwehr Waldorf
1955
Trinkwasser
Nach Fertigstellung des Hochbehälters konnte die zentrale Wasserversorgungsanlage des Dorfes am 8. Dezember 1955 von Pfarrer Bernhard Brand feierlich eingesegnet werden, wobei eine Urkunde in den Hochbehälter eingelassen wurde. Darin wird u. a. das „einmütige, opferbereite Zusammenwirken der ganzen Gemeinde“ besonders hervorgehoben.
In jedem Haus floss ab Ende 1955 frisches Quellwasser. Die Zeit des Wassertragens gehörte in Waldorf endgültig der Vergangenheit an. Jüngere Generationen können sich diese Mühen überhaupt nicht mehr vorstellen. Wasser kommt in jeder Wohnung aus dem Wasserhahn und ist selbstverständlich
Wilfried Dünchel: Wasserleitungsbau in Waldorf 1954/55
1970
Altbewährt
Waldorfs Gemeindevertreter entschieden sich am 02.04.1970 für einen Verbleib bei der Verbandsgemeinde Bad Breisig, weil sie am Bewährten festhalten wollten
Dr. Wolfgang Dietz: Kommunale Gebiets- und Verwaltungsreform am Beispiel der Verbandsgemeinde Brohltal
1975
Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n, auf der Autobahn
Verkehrsfreigabe A 61 AD Bad Neuenahr/Ahrweiler – AS Mendig
Neubau von Bundesautobahnen: Zusammenstellung der Verkehrsfreigaben 1975

Vinxtbachtalbrücke
Structurae: Internationale Datenbank für Bauwerke und Bauingenieure
1990
Teichkläranlage
In Waldorf drehte der damalige rheinland-pfälzische Umweltminister Dr. Alfred Beth im Oktober 1990 am roten Knopf und bediente erstmals und offiziell die 1,25 Millionen-Mark-Anlage. Bürgermeister Hubert Busch freute sich, man werde angesichts des zahlreichen Grüns und Wassers bald mehr an einen Teich denn an eine Kläranlage denken. Und der inzwischen verstorbene Ortsbürgermeister Erwin Girolstein setzte - als Gag und als Symbol - gleich zwei Gummi-Entchen aufs Wasser
Zwei Teichkläranlagen für den sauberen Vinxtbach
1996
1350-jähriges Dorfjubiläum
Der Historiker Prof. Dr. Dr. Eugen Ewig konnte, anhand der von Waldorfer Heimatforschern aus den unterschiedlichsten Landesarchiven und Museen zusammengetragenen Schriftstücken und Urkunden, den wissenschaftlich fundierten Beweis erbringen, dass der Ort Waldorf bereits um 646 n. Chr. bestanden haben muss. Die Ortsgemeinde feierte daraufhin 1996 ihr 1350-jähriges Dorfjubiläum. Die Bürger öffneten ihre Hinterhöfe und vermittelten allen Besuchern einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen des ländlichen Lebens
Gemeinde Waldorf
2006
1360-jähriges Dorfjubiläum
Spectaculum historiae
Gemeinde Waldorf
Quellen Quellen
Titelbild Tina Gerullis


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